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Blutzbrüdaz Movie Review / Filmkritik

Bloody Joe’s movie review / Filmkritik : Blutzbrüdaz

Review Facts: Blutzbrüdaz, FSK : ab 12, 87 min, Regie: Özgür Yildirim, HipHop-Komödie

Um ehrlich zu sein habe ich nicht viel für den deutschen Film übrig: Schlechte Geschichten, nervige Dialoge, langweilige Wendungen, niedrige Budgets und erstaunlich schlechte Produktionsqualitäten prägen diese Mitleid erregende Sparte. Umso besser wenn ab und zu mal ein Lichtblick am Horizont auftaucht. Hier nun mit Blutzbrüdaz in Form einer weiteren deutschen Komödie, die vieles besser macht als der erbärmliche Rest. Wie immer, vorsicht Spoiler!!

Otis (Sido) und dessen bester Freund Eddy (Bobby Tight) sind zwei erfolglose Hobby-Rapper im Berliner Großstadtdschungel Anno 2000. Kein Geld in der Tasche, keine Freunde im Biz dafür aber Talent und Herzblut. Nach einer miesen Nacht, die einen Rausschmiss, einen Aufenthalt im Krankenhaus sowie einen Knastbesuch mit sich bringt, erhält das Duo die Chance, dem angesagten Club- und Plattenladenbesitzer Fusco (Milton Welsh) ihr Tape vorzuspielen. Dieses jedoch haben die notorischen Pleitegeier noch nicht. Ein geklautes Mic und eine legendäre Produktionssequenz später steht das Meisterwerk und Fusco ist begeistert und die Blutzbrüdaz sind geboren. Die Tapes verkaufen sich im Berliner Untergrund wie warme Semmel und ihre Live-Shows schlagen bei dem nach “realem” Deutschrap ächzendem Publikum ein wie eine Bombe. Dies ruft den Sony Major-Produzenten-Hai Facher (Tim Wilde) auf den Plan. Der verspricht den beiden unendlichen Ruhm und bringt die Blutzbrüders dazu, den Major-Vertrag zu unterschreiben. Doch im Sumpf der Plattenindustrie findet Otis keinen Halt. Böse Intrigen, Geldgier und Hinterfotzigkeit vernichten die Blutzbrüdaz und Otis steht vor dem Kampf seine Lebens um seine Glaubwürdigkeit, seine Musik und seine Freundschaft…

Wer wie ich im Underground-HipHop-Bereich zu Hause ist, muss Blutzbrüdaz eigentlich lieben, mal ganz davon abgesehen ob man die Posse um Sido, Aggro oder Berlin nun mag oder nicht. Im Gegensatz zu Bushidos Würgereflex verursachendem Machwerk ist Blutzbrüdaz keine amateurhafte Selbstweihräucherung sondern eine erstaunlich selbstironische Hommage an alle jungen Talente, die da draußen mit selbstgemachten Tracks die Welt begeistern wollen. Sidos sauber gespielter Otis ist so ein junges Talent mit frischen Ideen und dem Herz am rechten Fleck. Ehrlicher deutscher Rap ohne Tabus ist sein Ziel. Sein Freund Eddy (ok gespielt von Sidos Kumpel B-Tight) am Anfang zwar auch, aber das Geld und die Aufmerksamkeit, die er durch Facher erhält, lassen ihn bald zum Arschlecker der Plattenindustrie mutieren. In aberwitzigen Musikvideos ist nicht mehr viel Unterschied zu Boybands wie N’Sync erkennbar. Doch Otis erhält sich seine Prinzipien und verlässt den Pfad der Verdammnis und die Blutzbrüdaz. Allein gelassen von seinen Freunden und seiner “großen Liebe” versucht er nun mit Fuscos Hilfe ein eigenes Album zu produzieren. Doch Knebelverträge und weitere Fehlschläge treiben ihn (in der genialsten Szene des Films) dazu, sein Weltbild aufzugeben und einen völlig neuen Schritt zu wagen. Endlich frei kann er sich seiner Vergangenheit stellen.

Wer selbst schon am Bau eines kleinen Projektstudios beteiligt war, dem wird spätestens bei der grandios montierten Studiobau-Sequenz so warm ums Herz wie selten in einem Film – so präzise wurde dieses Gefühl von Regisseur Özgür Yildirim, Kamarachef Matthias Bolliger und dessen talentiertem Team auf die Leinwand gebracht. Inklusive Kartons, Kabeln und dem Stolz über das neu erworbene Equipment. Allgemein ist die Qualität der Optik von Blutzbrüdaz den meisten anderen deutschen Filmen weit überlegen. Haargenau abgestimmte Tiefenschärfe sowie subtile Kameraschwenks und Neigungen verdeutlichen Otis’ immer steiler sinkenden Gemütszustand. Die farbenfrohen und mit Liebe zum Detail arrangierten Sets tragen die Atmosphäre des Films bis zum Ende.

Leider hat Blutzbrüdaz auch einige negative Seiten: Die Handlung wirkt sehr gehetzt und arbeitet schnell eine Station nach der anderen ab ohne tiefer ins Detail zu gehen. Hier hätte Blutzbrüdaz einiges an Potenzial nach oben, das Finchers ähnlich gestrickter Film “The Social Network” besser nutzte. Der Erfolg der Blutzbrüdaz geht am Anfang so unglaublich schnell vonstatten. Hier hätten einige Minuten Screentime mehr nicht geschadet. Auch einige zu klischeehafte Figuren, die in so einer Komödie ja nicht unbedingt deplatziert sind, hätten noch ausgebaut werden können. So bleibt der mit Drogen dealende Adal, gespielt von Rapper Alpa Gun, leider blass im Hintergrund und agiert meist nur als schlichter MacGuffin für einige schnelllebige Spannungsmomente und Lacher. Tim Wildes Facher ist zwar ein toller Gegenspieler, nur geht seine Figur am Ende von Blutzbrüdaz auch zu sehr unter.

Fazit: Ich war von Anfang an nicht begeistert als ich von einem Sido-Film kurz nach Bushidos Spielfilmdebakel hörte. Aber ich kann mit Stolz sagen, dass Blutzbrüdaz die beste deutsche Komödie, wenn nicht sogar der beste deutsche Film der letzten Jahre ist. Dank auch hier meinem Freund Moritz Weber, der mich durch seine Mitwirkung am Film überzeugen konnte, doch noch in “Blutzbrüdaz” zu gehen. Mit aberwitzigem Humor, vielen Anspielungen auf die Medienbranche und feinen Lobpreisungen an die selbstgemachte Underground-Musik trifft der Film genau ins Herz eines Independent-Musikproduzenten. Doch auch jeder andere kann mit diesem Film viel Spaß haben. Ich sehe hier starke Tendenzen zur Acht!

Blutzbrüdaz Movie Review Score: 7,5/10

Blutzbrüdaz

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